SV Union Salzgitter

Geschichte

Die ersten  30 Jahre  Von Weimar über Hitler zur Gründung der  BRD

Die Gründung

Der Sportverein SV Union Salzgitter wurde am 17. Februar 1920 im Gasthaus „Zur Börse“ als Fußballverein gegründet. Die versammelten Sportfreunde – Herbert Borghorst, Hermann Bergmann, Reinhold, Ludwig und Henry Tacke, Alfred Fricke, Heinrich Sachse, Wilhelm und Eduard Hupe, Heinrich u. Gustav Scheile, Friedrich Kaiser jun. und sen., Wilhelm Weidemann , Karl Herz, Karl Hobein, Hermann Glowacki,   – wählten im Gasthaus zur Börse gegenüber dem Marktplatz Seppel Henniger zum Ersten Vorsitzenden des Vereins, der aber bald sein Amt niederlegte. Ihm folgten in schneller Reihenfolge H.Scheile, H. Wiegmann, Fr.Zernack, Fr. Kaiser sen. Und Paul Jung. Die Gründungsmitglieder mussten sehr viel Mut und Organisationstalent mitbringen, mangelte es doch in den Folgejahren des Ersten Weltkrieges an allem: Fußbälle, Fußballschuhe und Spielkleidung, alles war  Mangelware, und Sportplätze gab es zu jener Zeit in Salzgitter-Bad überhaupt nicht.

Die Idee zur Gründung eines Fußballvereins ging von Robert Ballin aus, der den Jugendlichen vom englischen Fußball berichtete, den er als Kriegsgefangener in England erlebt hatte. Auch wenn schon mal „gekickt“ wurde, ein regelrechtes Fußballspiel hatte in Bad noch nie stattgefunden. So sammelten die Jugendlichen ihre paar Groschen zusammen und erstanden den ersten richtigen Fußball.

Aber wo spielen? Provisorisch hergerichtete Wiesen waren die ersten Spielplätze, so am Gittertor, am Schäferstuhl, auf den Scheileschen Wiesen und am Kniestedter Gut. Erst als der Vereinswirt Kaiser am Schlingelah-weg einen Acker pachtete, konnte man einen Sportplatz herrichten. Das teils sumpfige Gelände musste in Eigenarbeit per Hand planiert, drainiert und eingesät werden. Zur Deckung der Kosten hatten die Mitglieder 50,- RM (Jugendliche 20,- RM) beizusteuern und außerdem wöchentlich sechs Arbeits-stunden abzuleisten.   

Das erste Fußballspiel fand am 1. Ostertag 1920 in (Werla) Burgdorf bei Börßum statt. Gott sei Dank war Heinrich Scheile Bierverleger, so dass er die Sölterschen mit 2 PS zum Spielort bringen konnte. Als Trikot diente in Ermangelung von Sportkleidung eine Turnhose und eine Matrosenbluse. Die gegnerische Mannschaft bestand ausschließlich aus Gymnasiasten mit einiger Spielerfahrung. Der SV Union trat in dabei folgender Besetzung an: Tor: A. Fricke – Verteidigung: K. Brunke, H. Sachse, G. Kohlenberg, H. Scheile, H. Tacke – Sturm: R. Ballin,                S. Henniger, W. Hupe ,W. Arlet, L. Dierumdamm

Schon ein Jahr nach den Fußballern gründete sich unter Friedrich Hurlemann die Leichtathletiksparte, die sich sehr schnell zu einer schlagkräftigen und erfolgreichen Abteilung mauserte.

Pfingsten 1923 konnte der Platz am Schlingelah mit einem Freundschaftsspiel gegen die Reserve von Altona 93 – Ergebnis 2:4 – eingeweiht werden. Zu diesem Zeitpunkt hatte Union schon 4 Mannschaften, von denen allerdings 2 wenig später zur „Freien Turnerschaft“ überliefen.

Am 04. 03. 1922 war mit Hermann Bergmann ein Vorsitzender gewählt worden, der nicht nur diese Krise meisterte, sondern in den Jahren 1922-37  aus dem Fußballverein einen „echten“ Sportverein schuf. Nach der Gründung der Leichtathletikab-teilung 1921 wurde der Verein 1926 um eine Box- und 1929 um eine Handballabteilung erweitert. Das erste Handballspiel führte die Unioner gegen Eintracht Braunschweig. In den darauf folgenden Jahren wurde der Platz am Schlingelahweg zu einer schmucken Anlage ausgebaut und ringsherum mit Birken bepflanzt. Doch die politisch unruhigen Zeiten machten auch vor dem Verein nicht Halt. Der größte Verdienst Bergmanns bestand aber darin, die Mitglieder in der Zeit der großen politischen Gegensätze der 30er Jahre zusammen zu halten. Als er 1937 sein Amt an Arnold Koch übertrug, blieb er aber weiterhin im Vorstand und kümmerte sich intensiv um die zum Militärdienst eingezogenen Sportkameraden.

Der zweite Weltkrieg brachte dann 1940 das Ende des geregelten Sportbetriebes. Es wurde zwar weiterhin Sport betrieben, aber das fand   unter dem Mantel von Betriebs-sportgemeinschaften oder in wechselnden Zusammen-schlüssen statt, da  die Vereins-spieler zunehmend  eingezo-gen wurden.

 

Als nach dem Zusammenbruch Deutschlands die Militärregierung alle Vereine auflöste, kam das endgültige Aus für den Verein. Auf behördliche Anweisung wurde das Sportplatz geschlossen. Um den Sport wieder aufleben zu lassen,  erwirkte Sportkamerad Emil Nehmann in Verhandlungen mit dem „Commander of sport“ der britischen Besatzungsbehörden, dass  sich ein Verein unter dem Namen „Sportfreunde Salzgitter“ bilden durfte. Ihm schwebte die Bildung   eines Großvereins mit allen  Sportarten vor, eine Vision, die leider bis heute auch nur annähernd nicht erreicht werden konnte, was mit Sicherheit am wenigsten am SV Union lag.

Der neue Verein wurde gebildet vom SV Union, dem SC Gitter, dem Reichsbahn Sportverein, Verein für Leichtathletik, Sportverein Bergbau und dem MTV. Den Vorstand bildeten: 1. Vors. Emil Nehmann  , 2. Vors  E. Eckelt , Geschäftsführer W. Wisch, Kassierer H. Klesser   Sportwart K. Püschel, Fußball F. Thulke, Turnen H. Ehlers, Leichtathletik F. Hiller, Ringen F. Polke. Doch die Behinderungen durch die Engländer beeinflussten nachhaltig das Vereinsgeschehen. So erklärt sich auch, dass der Vereinsvorsitz schon im Oktober 1946 an Emil Krick überging und die Geschäftsführung Vincenz Raab übertragen wurde.

Aber schon in der Generalversammlung am 3. November 1947 gliederte sich der MTV aus, auch der ERSV und der SC Gitter wurden wieder vollständige Sportverein. Daraufhin wurde  1948 der Beschluss gefasst, der Tradition des SV Union Rechnung zu tragen und den Verein Sportfreunde Union zu nennen. 

Am  20.04.1948 wurde  Ernst v. Alven zum Ersten Vorsitzenden gewählt. Mit ihm setzte nach der Währungsfreform eine verstärkte Aufwärtsentwicklung ein. Zwar war die Box-Abteilung aus dem Verein ausgeschieden, dafür aber eine Schwerathletikabteilung unter der Leitung von Fritz Polke  gegründet, die beachtenswerte Erfolge erzielen konnte.

Der KSV Siegfried – die eigentliche Heimat der Ringer- war 1933 aufgelöst worden. Die Mitglieder traten damals geschlossen dem SV Union bei, musste ihre Aktivitäten aber auf Grund des Krieges einstellen. Unter Fritz Polke – selbst ein erfolgreicher Ringer – erwachte die Abteilung nach dem Krieg zu neuem Leben, machte sich aber später unter dem alten Namen KSV Siegfried wieder selbstständig 

 Die 1929 gegründeten Handballabteilung   und Kunstsportabteilung (Akrobatik) konnten leider nicht wieder zum Leben erweckt werden    Da die Fußballabteilung in den Nachkriegsjahren aus vier Herrenmannschaften, drei Jugend- und zwei Schülermannschaften bestand, war es dringend notwendig, die alte Sportanlage wieder herzurichten. In der Not packten  viele helfende Hände zu und so konnte im Sommer 1947 der Platz mit einem Spiel gegen eine Duisburger Mannschaft schnell wieder in Betrieb genommen werden.

v.l.n.r.:  ein  Duisburger Betreuer,  Raimer,  Wiegand,  Manthey,   Stehr,     Kupiertz,     Pawerra,   Schlote,   Hilsky,   Gornik,   Buchholz,  Walke

 Der SV Union schafft sich ein Stadion

Nach dem Krieg präsentierten sich die nunmehr    wieder als Union auflaufenden Blau-Weißen als klassischer Arbeiterverein, dessen „Kumpelgeist“ Legendenstatus erreichte. Unter der Woche fuhren Spieler wie Fans in die „Finkenkuhle“ oder den „Georg-Schacht“ ein, am Wochenende stritten sie für den SV Union um Punkte. Union Salzgitter, das war „Klein-Schalke“. Dass es zudem Erfolge zu feiern gab, verdankte man Präsident Richard Seidel und Trainer Ernst Krafczyk, der rund 20 Jahre lang die Übungsstunden am Schlingelahweg leitete.

Nach dem Ausbau der Sportanlagen förderte Richard Seidel insbesondere die Neuerrichtung eines Sportheimes, das mit Vereinsmitteln und viel Eigenarbeit 1952/53 gebaut wurde. In der ersten Mitgliederversammlung im neuen Sportheim beschloss man den noch heute gültigen Namen „Sportverein Union von 1920 e.V. in Salzgitter-Bad“.

Die zunehmenden sportlichen Erfolge hatten zur Folge, dass schon Ende der 50er Jahre die vorhandenen Sportanlagen und auch das Sportheim dem Anspruch weder qualitativ noch quantitativ gerecht wurde. Die Leichtathletikanlagen waren desaströs und ihre Nutzung mit großer Verletzungsgefahr verbunden.  Zeitweilig sechs Herren- und dazu noch zahlreiche Jugendmannschaften sorgten dafür, dass nur wenige Grashalme auf dem Platz überleben konnten. Rasen gab es nur noch an den Außenlinien.

 Im Zuge des Ausbaus der Südstadt war an eine Vergrößerung der Anlage vor Ort nicht zu denken. Nach Verhandlungen mit der Stadt, die sich über Jahre hinwegzogen, schlug die Stadt im Sommer  1957  dem SV Union vor, ein  etwa 33 Morgen großes Gelände unterhalb des Kassebuschs zu erwerben. Da war es natürlich von Vorteil, dass 1957 mit Günther Paslat der langjährige Oberstadtdirektor das Amt des 1. Vorsitzenden übernommen hatte. Am 10. August 1957 wurde in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung der Bau der neuen Anlage beschlossen, aber erst am 22.Juni 1958 erfolgte der erste Spatenstich.

Damals ahnte niemand, dass es weitere 8 1/2 Jahre dauern würde, bis man zu einem vorläufigen Abschluss kommen würde. Nachdem das alte Sportheim am 1.10.1964 an die Stadt verkauft werden musste – hier entstand die Heilige-Dreifaltigkeits-Kirche – fand dort am 19.3.1965 die letzte Generalversammlung statt. Danach war der Verein heimatlos, denn ein neues Vereinsheim war noch nicht erbaut worden. Den Abteilungen blieb  also nichts  anderes  übrig, als sich in den Gaststätten der Stadt eine neue Heimat zu suchen. Obwohl der gesamte Sportbetrieb auf die neue Anlage verlegt worden war, ging ohne einen gemeinsamen Treffpunkt der Zusammenhalt im Verein verloren, war es doch damals üblich, dass sich die Mannschaften nach Training und Spiel noch lange zusammensetzten. So war es zum Leidwesen der Spielerfrauen noch üblich, dass die vormittags spielenden Herrenmannschaften bis zum Spiel der Ersten und danach noch zusammenblieben.   Um die Schwierigkeiten zu vervollständigen, wurden auf Grund der ersten richtigen Wirtschaftskrise nach dem Krieg die für den weiteren Aufbau genehmigten Mittel gekürzt oder ganz gesperrt. Der Vorstand entschloss sich in dieser prekären Situation, größere Kredite aufzunehmen und das Sportheim fertig zu stellen, um den Bestand des Vereines zu sichern. Diese Hypothek lastete in den Folgejahren schwer auf dem Verein und endete 1980  mit dem sich auch auf Grund  der sportlichen Entwicklung lange vorher schon abzeichnenden Konkurs.

Mit der Fertigstellung der Sportanlage bekam die Entwicklung des Vereins starke Impulse. Im Dezember 1966 gründete Bernhard Hippler die Kegelabteilung, die er bis 1977 leitete. Um ihren Sport betreiben zu können, mussten die Kegler in hunderten von Arbeitsstunden die räumlichen und sächlichen Voraussetzungen für den Spielbetrieb schaffen. Im November 1969 erfolgte durch Richard Gilbert die Gründung der Tischtennisabteilung, die ähnlich wie die Kegelabteilung langsam aber stetig   expandierte.                                                                                                            

Die 70er Jahre waren geprägt von einem erneuten Aufschwung in der Leichtathletikabteilung – Lothar Czimenga z.B. war 1975 schnellster B-Jugendlicher Deutschlands – , aber vor allem durch das fußballerische Geschehen. Die Liga (1. Herrenmannschaft) – die „heilige Kuh“ – war im Verein absolut dominierend. 1969 kehrte die Elf um Erich Schneider, Winfried Wottka und Horst Kassebaum ins niedersächsische Amateuroberhaus zurück und verpasste in der Aufstiegsrunde zur Regionalliga nur knapp den Durchmarsch. Auch 1971 und 1973 waren die Blau-Weißen im Ringen um einen Platz im Vertragsspielerlager dabei, scheiterten aber am PSV Bremen bzw. Concordia Hamburg. Mit Wolfgang Dremmler verließ 1973  ein  späterer  Bundesliga-  und  Nationalspieler den Verein in Richtung Eintracht Braunschweig.

Missmanagement führt zum Konkurs

Dann kam der Bruch. Unions 1973 gewählter Präsident Karl Kusmierz träumte von der 2. Bundesliga, in die er seinen Klub führen wollte. Dazu verließ er 1975 die bewährten Union-Pfade und gab das Motto „Klotzen statt Kleckern“ aus. Als Trainer kam Imre Farkaszinski aus Wolfsburg, statt Jugendpflege gab es Handgelder, und für eigene Talente holte man ehemalige  Profis. Zunächst ging alles gut, und 1977 erreichte die Farkaszinkis Elf die Aufstiegsrunde zur 2. Bundes-liga, in der man nach einem 1:0-Auftaktsieg über Siegburg 04 jedoch böse Schiffbruch erlitt.

Anschließend ging es bergab. Die vom Vorstand vertretene Auffassung, die Investitionen werden sich rechnen, erwiesen sich als Trugschluss, zumal man versäumt hatte, die Altschulden vom Stadionbau abzutragen. Die Erhaltungskosten für das Stadion, der zwischenzeitlich hauptamtlich eingestellte Platzwart sowie der hohen Zinsendienst  belasteten den Klub enorm.   Während nach der Krise des Bergbaus auch die Krise der Stahlindustrie an den Nerven der Salzgitteraner zehrte, steuerte Union unaufhaltsam dem Abgrund entgegen. Präsident Kusmierz ging, Trainer Farkaszinski ging, die Mannschaft fiel auseinander und 1978 stand der mit 500.000 DM verschuldete Klub plötzlich vor dem Ruin.

Der teuerste  Trainer, der je bei Union beschäftigt worden ist, hatte Anspruch  auf ein monatliches Nettogehalt von 1900,00 DM sowie im Monat November ein zusätzliches 13. Gehalt als Weihnachtsgeld. Dazu gesellte sich ein monatlicher Spesensatz von 700,- DM. Die Steuerbelastung für das Gehalt hatte der Verein zu tragen. Die Prämie für Tabellenplatz 7-10 betrug 2500 DM und steigert sich bis Platz 1 auf 10.000 DM. Im Todesfall ist das Gehalt drei weitere Monate an die Witwe zu zahlen. Der Versuch, dieses Gehalt über einen örtlichen Großbetrieb weitgehends zu finanzieren, scheiterte, aber da war der Vertrag schon unterschrieben. Offensichtlich hatte man bei Union die Maßstäbe verloren, entsprach doch die nebenamtliche Trainerentschädigung in etwa einem Lehrergehalt.

Der SV Union stand vor der schwersten Krise seiner Geschichte. In dieser schwierigen Situation übernahm der als Gewerkschaftler und Ratsherr geschätzte Erwin Thielen das führerlos gewordene Union-Schiff, um zu retten, was zu retten war. Er wurde zum Konkursverwalter des Vereins, der am 31. Oktober 1980 seine Anlage an die Stadt Salzgitter veräußern musste. Durch diese weitreichende Entscheidung rettete er dem Verein das sportliche Überleben.

Was die Verantwortlichen unter Karl Kusmierz nicht für möglich gehalten hätten, traf den Verein mit voller Wucht. Die Zuschauerzahlen gingen drastisch zurück und die ligabezogenen Spenden, die ursprünglich in fünfstelligen Summen flossen, versiegten. Freunde und Gönner des Vereins, die für den Verein gebürgt hatten, wurden zur Kasse gebeten. Die Folge war, dass sich fast alle Sponsoren und Unterstützer zurückzogen. Da damit die finanziellen Quellen des Vereins versiegt waren, verließen viele Leistungsträger, die oft nicht mehr aus dem eigenen Nachwuchs entstammten, den Verein.

Erwin Thielen hatte sein Engagement von vornherein befristet, er wollte den Verein nur vor dem Aus retten, was ihm durch die Vermittlung des Verkaufs der Anlage gelungen war. Aber über die Nachfolge gab es Streit. Mit Peter Kozlik, der dem Verein durch Vermittlung eines Bierbezugsvertrages Kapital zugeführt hatte, und dem Großschlachter Willi Fricke, standen Kandidaten zur Verfügung, die den Fußball auf hohem Niveau retten wollten. Aber im Verein war die Dominanz der Fußballer, die den Großteil der Gesamteinnahmen für sich beanspruchten, nicht mehr zu vermitteln. Der Verein stand vor einer Zerreißprobe, die das Aus hätte bedeuten können. In einer dramatischen Mitgliederversammlung erklärte sich Erwin Nonnen nach einigem Zögern 1982 zur Übernahme das Amtes bereit.

Die Konsolidierung beginnt

Der aus der Kegelabteilung stammende Erwin Nonnen leitete die ersten Umstrukturierungsmaßnahmen. Durch seinen hohen persönlichen Einsatz übernahm er sich und musste 1984 aus gesundheitlichen Gründen zurücktreten. An seine Stelle trat im Juli 1984 Hans Tilch, Leiter des örtlichen Polizeikom-missariats, der das Amt zunächst kommissarisch übernahm und dann bis 1991 innehatte. Fast neu im Verein, wurde er in eine Verantwortung gedrängt, bei dem ihm nur wenige Vorstandsmitglieder und Helfer zur Seite standen, so als Kassenwart Gerd Heinatzky und dessen ehemaliger Zögling  aus der Nord-deutschen Meistermannschaft von 1966  Hermann Keune. Ihnen gelang es, die Finanzen zu konsolidieren, die Dominanz der Fußballer zurückzudrängen und alle Abteilungen zu einem fairen Miteinander zu bringen. Grundlage dazu war die Entscheidung, dass 1/3 des Beitrages dem Hauptverein zur Verfügung gestellt wird, während der Rest den Abteilungen zufließt. Jede Abteilung kann darüber hinaus in gegenseitiger Absprache Eigenmittel einzuwerben. Dieses Prinzip hat noch heute Bestand.

Die Breitenarbeit wurde verstärkt, neue Abteilungen stießen hinzu. 1986 wurde durch Örkün Meren die Basketballabteilung gegründet, 1987 kam dann  die Tanzsportabteilung dazu, die zeitweise 200 Mitglieder umfasste,    sich aber leider bald selbst-ständig machte. Im gleichen Jahr bildete sich die Koronarsportabteilung und die Ballettabteilung, so dass der Verein zum 70jährigen Jubiläum 1990 in acht Abteilungen 1134 Mitglieder hatte, ein Rekord, der in der Folgezeit nicht gehalten werden konnte. Die herrlich gelegene Union-Anlage stellt in ihrer Größe eine große Herausforderung für den Verein dar. Da beim Bau vieles in Eigenleistung   nicht immer fachgerecht erledigt wurde, ist bei vielen Reparaturen ein hoher Aufwand erforderlich.

 

Rückübertragung des Union-Stadions

Dennoch waren die Probleme nicht geringer geworden. Als Hagen Reese 1991 die Geschäfte des Vereins übernahm, musste der Verein mit neuen Problemen fertig werden. Das Zusammengehörigkeitsgefühl der Mitglieder hatte nicht nur durch den Verkauf der Anlage erheblich gelitten; die zunehmende Individualisierung machte es immer schwieriger, geeignete Mitarbeiter zu finden.  Und ausgerechnet in dieser Phase musste der Verein die Anlage als Pächter wieder übernehmen, der städtische Platzwart wurde abgezogen. Die Mitgliederzahl sank durch den Austritt der Tanzsportabteilung auf unter 1000 und der C-Platz wurde aufgegeben, weil ein Investor dort 1992 ein Spaßbad bauen wollte. Doch durch die Wende erschien das Projekt nicht mehr profitabel, da es die am Mahner Berg   zahlreich vertretenen Berliner nun in die nähere Umgebung der Hauptstadt zog.  Inzwischen war der C-Platz aber nahezu unbespielbar geworden und in diesem katastrophalen Zustand zurückübertragen worden.

Die Platzanlage, einst für einen erfolgreichen Amateuroberligisten konzipiert, konnte natürlich, zumal die I. Herren 2003 sogar in die Kreisliga absteigen musste, nur mit erheblichen Kraftanstrengungen erhalten und ausgebaut werden. Umso bemerkenswerter, dass der Verein 2001 ein neues Vereinsheim erstellen konnte, und das ohne Kreditaufnahme. Ein Grund dafür war, dass der Verein in der Zeit, als die Platzanlage städtisch war, natürlich finanziell nicht so sehr belastet war, so dass durch sparsame Haushaltsführung einiges dafür zurückgelegt werden konnte.

 Fast an alte Zeiten wurde man im Sommer 2003 erinnert, als die   Lions Braunschweig im Union-Stadion ein Europokal-Spiel gegen den spanischen Meister Baldoa Barcelona vor über 3000 Zuschauern antraten. Damit hatte sich eine anstrengende Vorberei-tung mehr als gelohnt auch  wenn finanziell nicht viel übrig blieb.                    

Die fleißigen Helfer (v.l.)    Waldemar Gerle      Gerd Kunze       

Horst Mielke Adolf Block Manfred Rybatzky Ohne Abbildung:  Edgar Kalefendt, Hans-J. Grossmann. „Jimmy“ Hartwich, Hans Kabus

 

2005 übernahm Dietrich Leptien   das Amt des 1. Vorsitzenden und setzte die erfolgreiche Arbeit seines Vorgängers  fort. Zwar nahm die Zahl der Mitglieder weiter ab und sank zeitweilig bis auf 700  , zugleich entwickelten sich die Erfolge in allen Abteilungen zum Teil deutlich. Die Basketballherren fanden 2003 den Weg zurück in die Oberliga, die TT-Abteilung entwickelte sich jetzt auch in der Spitze, die Kegler spielten fast durchgängig auf Niedersachsenebene. Die Leichtathleten errangen vor allem im Seniorenbereich zahlreiche Erfolge und sogar die Fußballer schafften den Weg zurück in die Bezirksliga. Zugleich konnte der Verein entscheidende Vorhaben in die Wege leiten. 2005 wurde der Kabinentrakt erneuert, das Vereinsheim um einen Verkaufsstand erweitert und eine Überdachung  auf dem C-Platz für die Oster-feuer errichtet.

2006  folgten dann weitere Maßnahmen: Der inzwischen durch Wildschweine verwüstet C-Platz wurde in Eigenleistung wieder hergerichtet und mit einem Ballfangzaun versehen. Parallel dazu erfolgte die Sanierung der Laufbahn.  Mit   Unterstützung des SV Union erstellte der DFB auf dem Schulhof der GS am Ziesberg ein  DFB-Minispielfeld. In den Ferien veranstaltet Union ein Intersport-Fußball-Camp mit 100 Teilnehmern.-                  

2007 trat im Stadion eine Auswahl von Fußballprominenten – der bekannteste dürfte der spätere Bundesligatrainer Andre Breitenreiter gewesen sein – auf die Salzgitter-Auswahl, mal wieder etwas mehr Leben im Stadion. Nach dem gescheiterten Spaßbadbau drohten dem Verein jetzt andere Schwierigkeiten: der geplante Neubau eines Hospizes auf dem benachbarten Wohnbaugelände und die offizielle Ausweisung des Mahner Berg als Wohngebiet hätten bei Realisierung wahrscheinlich deutliche Nutzungseinschränkungen nach sich gezogen, doch das konnte dank Unterstützung der örtlichen Politik abgewendet werden. Im gleichen Jahr bildet der SV Union mit dem SC Gitter eine Spielgemeinschaft unter dem Namen SCU, um damit in der Lage zu sein, im Jugendbereich höherklassig zu spielen. Die  nächste größeren Sportereignisse waren 2010 das Benefiz-Fußballspiel der NFV/Lotto Ehrenauswahl gegen eine Prominentenmannschaft aus Salzgitter und der 24-Stunden-Lauf zum 90. Geburtstag im Rahmen der Stadtmeisterschaft Fußball. Trotz einiger Probleme in den Nachtstunden schaffte man es, 24 Stunden lang immer jemand auf die Laufbahn zu schicken, sogar die Kinder vom benachbarten Reiterhof nahmen mit ihren Pferden teil.

Ende  2012 erhielt der SV Union die Zusage für die Errichtung eines Kunstrasenplatzes. Ohne die Unterstützung aus dem Konrad-Fond in Höhe von 220.000 €, einem Zuschuss der Stadt von 80.000 €, einem Sponsoring-Vertrag mit der Wiederaufbau, zahlreichen Erwerbern von Bausteinen und enormer Eigenleistung wäre das nicht möglich gewesen.    Neben Dietrich Leptien zeichnete  sich vor allem Adrian  Borgs als   treibende Kraft heraus, er setzte  sogar ein Semester  in seinem Studium aus.


Fast gleichzeitig tauchte aber ein Problem auf. Rainer Bauer, der  einst die Gast-stätte abgekauft und Jahrzehnte erfolgreich geführt hatte, droht die Insolvenz und Union damit der Verlust der Kegelbahn. Alle Versuche, diese aus dem Komplex herauszulösen und zu erwerben, führen aber zu keinem Erfolg.  Dagegen wurde der SV Union durch seinen Trainer Markus Schindelar bundesweit bekannt. Mit einem Basketball-Torschusstrick brachte er es bis ins aktuelle Sportstudio, wo er dem Dortmund-Profi Neven Subotic an der Torwand Paroli bieten konnte.  Die von Wolfgang Mauri initiierten Traditionstreffen erleben 2015 einen besonderen Höhepunkt, erschienen doch zur Überraschung aller ohne Vorankündigung die beiden Ex-Eintrachtler und Nationalspieler Bernd Gersdorff  und Paule Dremmler, der bei Union groß geworden war. Entgegen dem allgemeinen Trend konnte der Verein nach  2010  die Zahl der Mitglieder gut 4 Jahre lang wieder vergrößern.
 ter  seines  Studiums aus. In einem echten Kraftakt ganz vieler Mitglieder wurde der Umbau des Hartplatzes zu  einem  Kunstrasenplatz  umgesetzt .                                                                                                                                            

2015 stand das nächste große Bauvorhaben an, diesmal errichteten die Leichtathleten auf dem alten C-Platz eine modern Wurfanlage. Durch den Kunstrasen war der C-Platz nicht mehr als Großspielfeld nötig, daher konnte man ihn in ein  Kleinspielfeld  und in ein Wurffeld  aufteilen.  2017 wurde die alte Union-Gaststätte versteigert, aber der Erwerber war nicht bereit, die Kegelbahn an den SV Union zu veräußern. Es gab lange Verhandlungen, bis ein Mietvertrag unterzeichnet und somit der Spielbetrieb der Kegler gerettet war. Bei der Miethöhe hat der Vermieter sein „Erpressungspotential“ durchgesetzt und eine Miete festgelegt, die nur durch den großen Einsatz der Abteilung durch die Bewirtschaftung der Anlage zu realisieren ist.

Die Stürme im Oktober 2017 und der Sturm „Friderike“ im Januar 2018 trafen den Verein hart. Erst wurde das das Vordach des Kassenhauses abgerissen und zerstört, dann waren nicht mehr verkehrssichere Bäume zu fällen und zu guter letzt  wurde das Dach des Kassenhauses komplett abgedeckt und die Innenräume durchnässt.  Da waren dann die Reparaturen an den Heizungen im Vereinsheim und Kassenhaus sowie die dank des Einsatzes von Altliga und Erste Herren vorgenommene Renovierung der Kabinen – die Fliesen in den Duschen mussten dringend erneuert werden – fast nur noch Kollateralschäden. Dann fiel auch noch ein Flutlicht aus. Eine Reparatur war bei der alten Anlage nicht mehr möglich, der Versuch eines Neubaus scheiterte an der Finanzierung. Jetzt ist es ein Vorhaben zum Jubiläum, die Zuschüsse wurden 2019 beim Konradfond beantragt und tatsächlich auch bewilligt.  

Eine besondere Wert-schätzung erhielt der Verein im Herbst 2018, als der Vorstand des Nieder-sächsischen und Nord-deutschen Fußballverbandes unter Leitung von Günter Distelrath den SV Union im Rahmen eines Vereins-dialoges aufsuchte. Die Veran-staltung diente dazu,   sich beim Traditionsverein – stellvertretend für viele andere Vereine – über die Arbeit an der Basis zu informieren. Wir konnten bei dem Gespräch  unsere  Probleme schildern und viele Anregung geben, so dass man uns eine hohe Kompetenz bescheinigt hat. Der Artikel dazu im NFV-Journal machte deutlich, dass unsere Anregungen zumindest in Teilbereichen auf fruchtbaren Boden gefallen sind.

Das Jahr 2019 brachte die nächste große Herausforderung: Der Bau einer neuen Flutlichtanlage. Das war schon für 2018 vorgesehen, aber die  Zuschüsse  von Land und Stadt waren zu gering, als dass man das finanzielle Risiko hätte eingehen können. Dank Konradzuschüssen konnte man das aber 2019 umsetzen. Und dann kam Corona – sämtlicher Sportbetrieb kam zum Erliegen. Eine harte Zeit für alle – Gott sei dank hielten die meisten Mitglieder dem Verein die Treue – die Altliga kümmerte sich in der spielfreien Zeit um die Neugestaltung des Eingangbereiches.                                                     2021 kam der Sportbetrieb so langsam wieder in Schwung und beim Union kamen auch neue Sportabteilungen dazu. Die Zumbagruppe startete wieder und auch Darts wird ab Ende 2021 zum Repertoire des Vereins gehören.                                                                             Der Abschied der jahrzehntelang lang tätigen Vorstandsmitglieder Manfred Hornig, Hermann Keune und Karl-Heinz Lippold  hatte eine  Generationenwechsel zur Folge. Als erster war Manfred Hornig ausgeschieden, ihn ersetzte Lutz Unglaube, für Hermann Keune übernahm mit Katja Rudolph als erste Frau den Posten eines stellv. Vorsitzenden, und letztendlich ersetzte Adrian Borgs K.-H. Lippold