Fußballsport — Tradition und Erfolg

Mit dem Pferdegespann des Bierverlegers Heinrich Scheile fuhr man am ersten Ostertag 1920 nach Burgdorf und kassierte eine 1:10 Niederlage. Doch mit der Einweihung des ersten eigenen Sportplatzes „Am Schlingelah" ging es bergauf, von der C- und B-Klasse des Norddeutschen Fußballverbandes, Bezirk Süd-Hannover- Braunschweig 1935 in die A-Klasse.

In ähnlicher Konstellation ging es nach dem 2. Weltkrieg weiter. Nach der Bezirksmeisterschaft 1946/47 und dem Aufstieg in die Landesliga begann der Aufstieg des SV Union zu einer der besten Amateurmannschaften Niedersachsens. Wie erklärt sich diese Entwicklung? Zum einen damit, dass Salzgitter durch die Stadtgründung der Nationalsozialisten von einer ländlichen Region zu einer Stadt mit zeitweilig über 120.000 Einwohnern wurde, in der der Fußball einige der wenigen Freizeitmöglichkeiten für die jungen Männer war. Zum anderen durch die traditionell enge Bindung der Bergleute zu dieser Sportart, wie wir es vom Ruhrgebiet her kennen.Entsprechend groß

war auch die Unterstützung des Bergbaus — festzumachen an der Person des lang- jährigen 1.Vorsitzenden Richard Seidel — durch Hilfen beim Bau der Sportanlage oder durch Ausbildungs- und Arbeitsplätze. Ein weiterer Garant war der langjährige Trainer Ernst Krafczyk, der als Spieler mit Union 1952/53 Meister der Verbandsliga wurde und knapp den Aufstieg zur  Amateuroberliga verpasste. Nur zwei Jahre später gelang ihm jedoch als Trainer der große Wurf. Die Saison 1954/55 endete mit dem Aufstieg Unions in die Amateuroberliga Niedersachsen Ost. Am 22.04.1957 wurde Union als Meister der Amateuroberliga Niedersachsen Ost mit einem 2:1 Sieg über den VFB Oldenburg, dem Meister der Staffel West, Niedersachsenmeister. Der nächste große Erfolg gelang ihm mit der A-Jugend, die 1957 schon einmal Niedersachsen-Vizemeister geworden war, 1966 mit der Norddeutschen Meisterschaft mit einem 3:2 Erfolg über den HSV.

Der Kern dieser Mannschaft — Hecht, Ures, Pientka, Preidt, Kassebaum, Radzio, Reimann, Stickluhn, Keune, Mauri, Schneider, Wotka war auch der Garant für den sich dann erneut anbahnenden Erfolg. Nach einem Aufenthalt von Mitte 1966 bis 1969 unterhalb der Amateurliga Niedersachsen errang Union bereits als Aufsteiger in der Saison 1969/70 punktgleich mit Eintracht Braunschweig den 2. Platz in der AL Niedersachsen. In der folgenden Saison gab es eine erneute Vizemeisterschaft hinter dem OSV Hannover. 1972/73 wurde Union dann erneut Niedersachsenmeister. Am Ende der Saison 1973/74 reichte der 3. Tabellenplatz zur Qualifikation für die neu gegründete Amateuroberliga Nord. Hierin kamen die Mannschaften aus der bisherigen (zweitklassigen) Regionalliga Nord, die sich nicht für die neu geschaffene 2. Bundesliga Nord qualifiziert hatten, mit den Aufsteigern der höchsten Landesligen der 4 norddeutschen Bundesländer zusammen.

In der ersten Saison 1974 erfolgte der Aufstieg in die neu gegründete Amateuroberliga Nord, in der UNION einen achtbaren 12. Platz erreichte. Anschließend zählte Union unter dem bekannten Trainer Imre Farkasinszki jahrelang zu den Top-Teams und war unangefochten die Nr. 1 in der Salzgitterschen Fußballszene . Bis zu 3000 Zuschauer fanden damals den Weg in das Union-Stadion. Diese Dominanz und die damit teilweise auch verbundene tatsächliche oder so empfundene Arroganz machte sich später in der Häme deutlich, die dem Verein bei seinem Niedergang entgegenschlug.

1976 wurde sogar die DFB-Pokalhauptrunde erreicht, wo man in der 2. Hauptrunde gegen den HSV, den späteren Pokalsieger, im Volksparkstadion mit 0:4 unterlag. Am Ende dieser Saison 1976/77 erreichte UNION mit dem 2. Tabellenplatz hinter Bremerhaven 93 die beste Platzierung in der AOL Nord und damit die Teilnahme an der Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga Nord. Dabei verfehlte man den 2. Tabellenplatz in seiner Aufstiegsgruppe nur durch eine höchst unglückliche 1:2 Niederlage kurz vor Schluss im letzten Spiel beim SV Siegburg 04. Der 2. Platz hätte zu 2 Entscheidungsspielen um den 3. Aufsteiger in die 2. BL Nord gegen den späteren Aufsteiger 1. FC Bocholt berechtigt.

Allerdings war Ende der 70er schon zu erkennen, dass nach dem sukzessiven Ausscheiden der alten Unioner wie Schneider, Ehlers, Kassebaum etc. der Nachwuchs nicht mehr ausreichte, um das Gerüst der Mannschaft zu stellen. Neue Spieler wurden eingekauft, vornehmlich aus Braunschweig und Wolfsburg, wie Dudda, Stautz oder Schäfer, und die kosteten natürlich mehr Geld als die Eigengewächse. Leider versäumte man in dieser Phase einen Schnitt zu machen und versuchte die Klasse zu halten.

In der Saison 1981/82 machte der SV Union noch einmal in der DFB-Pokalhauptrunde von sich reden. In der ersten Hauptrunde wurde der jetzt hervorragend in der 2. Bundesliga platzierte FC Augsburg, ein Team ohne viel Federlesens mit einem 0:2 auf die lange Heimreise geschickt. Am Ende jener Saison stieg der FC Augsburg als Meister der Bayernliga nach einer erfolgreichen Aufstiegsrunde wiederum in die eingleisige 2. Bundesliga auf. In der 2. Runde brachte eine Partie bei Holstein Kiel, die knapp mit 2:3 verloren ging, für Union das Aus.

Die durch die Wirtschaftskrise bedingte Einstellung der Zahlungen durch den Salzgitter-Konzern konnten nicht kompensiert werden, die finanziellen Probleme — Union hatte in besseren Zeiten versäumt, die Kredite für den Stadionbau abzubauen — wurden immer größer.

Mit dem Abstieg aus der AOL Nord am Ende der Saison 1983/84 begann der Durchmarsch nach unten in die Bezirksoberliga. Wer allerdings dachte, Union würde noch weiter nach unten gereicht, der täuschte sich, denn mit der Verpflichtung des alten Trainerfuchses Achim Werner wurde Stabilität erreicht, so gelang 1987 sogar der Wiederaufstieg in die Landesliga Ost. Die A-Jugend wurde im Folgejahr sogar Niedersächsischer Pokalvizemeister.

Die Folgen des Beinahe-Konkurses von 1980 waren überall spürbar, Freunde und Gönner hatten sich abgewandt, die anderen Abteilungen akzeptierten die Dominanz der Fußballer zu Recht nicht mehr Der Vorstand bestand zeitweise nur aus Erich Schwartmann und Hermann Keune. Letzterer fand dann in Gerd Leistner - Spielausschussvorsitzender des NFV-Salzgitter — einen treuen Begleiter in den ganz bitteren Jahren, die mit den beiden Abstiegen aus der Bezirksliga 2002 und Bezirksklasse 2003 ihren Tiefpunkt erhielten. 29 Spieler verließen 2003 den Verein, nur eine Fusion mit Fortuna Salzgitter sicherte das Überleben im Herrenbereich. Ein Jahr später eine ähnliche Situation, Fortuna kündigte die Spielgemeinschaft kurzfristig auf, man stand fast wieder vor dem Aus. Aber auch diese Situation konnten beide meistern, weil Trainer K. H. Schacht kurzfristig Spieler an Land zog. Doch diese passten nicht zum Selbstverständnis des Vereines.

Dem Fußballvorstand war klar, dass es nur eine Chance mit eigenen Leuten gab. Gott sei Dank war die Jugendarbeit nie vernachlässigt worden, so dass aus den Jahrgängen 1989/90/91 wieder „echte" Unioner zur I. Mannschaft stießen, die gemischt mit alten „Haudegen" wie Sven Schubert und Rückkehrern wie Fabian Borgs das „Wunder" Aufstieg 2008 und das noch größere Wunder 2009 Klassenerhalt schafften.

Wir gehören wieder zu den Top-Teams Salzgitter, wenn auch auf einem viel niedrigeren Niveau. Jetzt gilt es, Vertrauen aufzubauen und mit den geringen Mitteln den Leistungsstand zu halten versuchen und mittelfristig auszubauen

Imagefilm des SV Union Salzgitter